das Stück «chrüschbodebad»

Auch im Emmental wurde gebadet, schon im Mittelalter. Es entstand eine vielfältige Bäderkultur. Noch heute heisst jede zweite Beiz im Bernbiet: Bad! Laufenbad, Rudswilbad, Rütihubelbad, Kemmeribodenbad, Gurnigelbad, Lochbachbad, Chuttelbad, Wildeneybad, Schultheissenbad, Hirsernbad, Krummholz-Bad. Nicht jedes Bad diente der Kur und der Reinigung. Da ging es weiss Gott nicht nur christlich zu. Oft sogar zwielichtig. Der Emmentaler, nicht nur er, frönte dem Wein, dem Weib und weniger dem Gesang. Man glaubt es kaum. Nicht selten brachten die Bauern oder die besseren Leute die Syphilis, die Pest, die Raude, d Mägere oder die schwarzen Blatern nach Hause. Der Bader, der Reiber, der Scherer, der Schröpfer, der Aderlasser, auch sie hatten nicht alle einen guten Ruf. Aber nicht jeder Jungbrunnen, nicht jedes Schwefelwasser brachte Heilung. Häufig waren Kurpfuscher am Werk und dem Patienten ging es nach dem Bade oft noch übler als bevor. Da nützte auch der Quast, der Badewedel, mit dem geschlagen, gerieben, gestrichen wurde nicht viel ...

Der «Chrüschbodehof» ist abgelegen, unrentabel und heruntergewirtschaftet. Das liegt nicht am Hof, sondern eher an seinen Bewohnern. Weltfremde Menschen. Schlecht und recht leben sie mehr oder minder als Selbstversorger. Vom «Chrüschbode» sind sie kaum weggekommen. Verpachten kann man den Hof nicht, Ziegel fehlen, mancher Balken ist morsch, das Heu auf der Bühne ist feucht und das Bschüttloch und der Stall fast leer. Kommt es zur Gant, muss alles versteigert werden? Aber da ist die hohe Sandsteinwand, ein winziges Bächlein plätschert schon länger als hundert Jahr. Ein lauwarmes, trübes Rinnsal. Bei kaltem  Wetter schwebt über dem Wasser ein Hauch von Dampf... oder ist es Nebel? Gibt dieser warme Brunnen, der aus dem Felsen fliesst, nicht noch mehr Wasser? Das Rütlein jedenfalls, mit dem sie vor der Sandsteinwand stehen, schlägt aus wie wild – das muss doch etwas bedeuten! Fäustel, Hammer, Pickel, Meissel sind rasch zur Hand. Sie schlagen erst ein Loch, dann einen kleinen Tunnel in die Wand. Warmes, gesundes, heilendes Wasser, das wäre doch die Lösung aller Probleme.

AKTUELL

2017 und 2018:
Zwei  Zwischenjahre bei Madame Bissegger im Steigüebli



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